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Lieschen Müller: Der Inbegriff der Bedeutungslosigkeit! Biederer Durchschnitt, so wie der Otto Normalverbraucher. Lieschen und Otto fallen an sich kaum auf. Aber die beiden haben nun etwas für sich entdeckt, womit sie sich ihrer Bedeutungslosigkeit entledigen wollen. Sie haben Social Media für sich entdeckt. Lieschen hat einen Youtube-Kanal, bei dem sie darüber berichtet, was sie alles tolles eingekauft hat und lässt sich dabei von anderen Lieschens und Ottos beklatschen, die ihrerseits wiederum die sogenannten Food-Hauls in Youtube reinstellen. Das Ganze geht auch mit Kleidung oder Kosmetik und ist so unglaublich interessant, wie der berühmte Sack Reis aus China. Otto hat sich derweil einen Facebook-Account zugelegt und posaunt da alles in die Welt, was er gerade so tut. Wann und was er isst, wohin er mit wem, wenn überhaupt ausgeht, was er gerade so denkt, schlicht: Dass er eben existiert. Der Durchschnittsmensch Otto und die Durchschnittsmenschin Lieschen wollen existieren. Und im weltweiten Netz können sie das nach Herzenslust tun.

Der Shit-Storm, das neue Hobby der Mittelmäßigen

Das Ganze würde dennoch weiter nicht auffallen, würde sich nicht mittlerweile immer öfter ein neues Hobby der beiden abzeichnen: Der Shit-Storm! Heidi Klums Tochter trägt High Heels? Shit Storm! Jamie Oliver kocht steht mit Kleinkind auf dem Arm am Herd? Shit Storm! Irgendwer hat ein falsches Kleid getragen? Irgendwer hat irgendwas unbedachtes getwittert oder sonst wo von sich gegeben? SHIT STOOOORM!

Die Aufregung über Kleinigkeiten ist zum Lebenszweck mancher Internet-User geworden. Facebook und besonders auch Twitter sind davon besonders betroffen. Mit dem System der Hashtags bekommt man eben zu einem bestimmten Thema alles möglich mit, egal ob man die Person, die da schreibt auf irgendeiner Freundesliste hat, oder nicht. #Helenesbloedeskleid und schon können sich alle zu diesem Thema auslassen.

Gut könnte man sagen, auch das ist ja an sich nicht weiter schlimm, bekommt ja keiner außerhalb des Social Media Universums mit. Aber weit gefehlt. Mittlerweile berichten sämtliche Medien genüsslich über die Shit-Storms. Sie werden aufgegriffen, verbreitet und somit potenziert. Vor allem natürlich von den Boulevard- und zahlreichen Online-Medien. Aber mittlerweile auch zuweilen von sogenannten Qualitätsmedien – sofern man z.B. bei den Sat1 Nachrichten von Qualitätsmedien sprechen kann.

 

Der Shit-Storm konterkariert die Freiheit des Internet

Besonders schade ist das deshalb, weil die sozialen Medien ja eigentlich dazu dienen sollten, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, sich auszutauschen! Offenheit, Freiheit, Stärkung der Demokratie. Was setzt man nicht alles für Erwartungen ins Internet und insbesondere in die Bereiche, in denen eben gerade Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher mitwirken dürfen.
Und was machen die beiden? Sie zeigen sich typisch kleingeistig. Wollen anderen ihre Meinung und Haltung aufdrücken und alles, was nicht in ihr Weltbild passt, wird gnadenlos mit Tweets bestürmt, dass der Shit-Storm nur so rauscht!

Das macht Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher nicht bedeutungsvoller, denn auch wenn sie irgendwo in der Masse der Stürmer auftauchen, sie sind immer noch nicht wirklich sichtbar. Und wenn sie zuweilen mal sichtbar werden, dann zumeist auch nur, weil sie selbst irgendetwas getan haben, was andere dazu veranlasst, mit einem Shit-Storm über sie herzufallen.

So verspielen Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher die Möglichkeiten, die das Internet bietet und sorgen dafür, dass das Internet eben genau nicht die Bühne für Freiheit, Offenheit und Kommunikation wird, sondern für Anfeindungen, Denunziation und Hass!
Vielleicht sollten daher zumindest die seriösen Medien darüber nachdenken, in wie weit sie sich darauf einlassen wollen, diesen Trollen Nahrung zu geben, indem sie über die Stürme berichten und einzelne Tweets auch noch zitieren, oder doch lieber das Ganze mit dem Mäntelchen des Schweigens zu bedecken.

Und vielleicht wachen ja auch Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher irgendwann auf und erkennen, welche Möglichkeiten ihnen das Internet abseits der Belanglosigkeiten, des Tratsches und der Verbreitung von Hass, Neid und Missgunst bieten!

Es wäre Lieschen, Otto, dem Internet und uns allen zu wünschen!